Eine Austauschschülerin aus Brün berichtet...

Servus! Ich bin Svetlana, und ich bin Austauschschülerin aus Brünn, Tschechien, hier am Münchner Heinrich-Heine-Gymnasium für genau einen Monat. Wie habe ich die Entscheidung getroffen, hierher zu reisen?

Es ist eigentlich ganz einfach. Ich liebe Deutsch, ich liebe Deutschland, und nach meinem Schulabschluss möchte ich auch hier studieren (natürlich nicht genau in München, ich werde hier nie eine Wohnung finden :)). Als meine Lehrerin mich also gefragt hat, ob ich Erasmus+ machen will, war meine einzige Frage «Wo soll ich unterschreiben??»

Drei Monate später finde ich mich vor den Türen des Gymnasiums. Meine erste Meinung: riesig und chaotisch. Um mich herum strömen Schüler, klein und groß, und es ist alles so neu für mich. In meinem Schulgebäude gibt's nur vier Jahrgangsstufe mit 4 Klassen jeweils, insgesamt weniger als 500 Schülern. Es ist alles so krass. Diese Halle, diese komischen Treppen, alles wie ein Labyrinth— oh Gott! Natürlich verliere ich meine Mitschüler und weiß gar nicht wohin ich gehen soll. Ich frage jemanden, was die Zahlen auf meinem Stundenplan bedeuten, und zum Glück ist dieser jemand nett und hilfreich, und ich schaffe es mein Klassenzimmer pünktlich zu finden. Ich glaube, wir haben Deutsch. Mich begrüßt eine nette rothaarige Frau und ich setze mich hin. Heute interpretieren wir ein Gedicht. Ich muss es aber drei- oder viermal lesen, um etwas zu verstehen. Es ist wie ein Puzzle, und ich bin ein fünfjähriges Kind und in meinem Zimmer ist es ganz dunkel, aber trotzdem macht es mir eigentlich Spaß. Wir diskutieren, was einige Teile bedeuten, und ich sage auch ein paar Wörter, die (überraschenderweise) sogar Sinn machen. Nur in dieser Stunde habe ich so viel gelernt! Toll! Das hier könnte ich den ganzen Tag machen. Ich will nicht, dass der Deutschunterricht endet. Aber die Glocke klingelt trotzdem und ich habe Pause. Na dann, zurück ins Chaos. Ich suche einen Ort, wo ich mich hinsetzen kann, und befinde mich plötzlich in der Bibliothek. Es ist ein richtiger Kulturschock: hier sind echte Bücher, die man in der Freizeit liest! In meiner Schule gibt’s fast nur Klassiker für den Literaturunterricht. Es ist so bequem hier! Ich hole mir Windstärke 17 von Caroline Wahl (wie toll, dass es das hier gibt?) und setze mich auf einen weichen Stuhl. Ich schaue mich um; ich bin so glücklich, dass alle so freundlich zu mir sind. Die Atmosphäre hier ist so nett. Wahnsinn. Ich denke darüber nach, dass sich nur die Kleinigkeiten ganz komisch anfühlen. Ich meine, ab heute und für die nächsten fünf Wochen spreche ich eine ganz andere Sprache. Dass es nicht Stein-, sondern Fliesentreppen gibt ist aber nicht das Ungewöhnlichste - sondern, dass es moderne und interessante Schulbibliothekbücher gibt. So also meine Ausländer-Experience.

Meine Erasmus+ - Kurzzeitmobilität in Brno, Tschechien

Dank des EU-Programms Erasmus+ konnte ich in diesem Schuljahr an einer zehntägigen Kurzzeitmobilität nach Brno (deutsch: Brünn), der zweitgrößten Stadt Tschechiens, teilnehmen. Dieser Aufenthalt wird mir wegen vieler besonderer Eindrücke noch lange in Erinnerung bleiben!

 

Ausblick von einem Aussichtsturm auf Brünn

Als ich über Brünn gehört habe, dass es nach Prag die zweitgrößte Stadt Tschechiens ist, habe ich mit einer imposanten, lebendigen und chaotischen Großstadt gerechnet. Doch das stellte sich tatsächlich ziemlich schnell als übertrieben heraus. Als Münchner kam mir Brünn, ebenfalls eine Studentenstadt, insgesamt sehr putzig und bescheiden vor. Ich verstand schnell, dass es sich hierbei um keine Großstadt im deutschen oder amerikanischen Stil handelt. Das öffnete mir gleichzeitig neue Einblicke, wie das Leben in einer kleineren Stadt als München aussieht. Die Stadtmitte ist dabei ziemlich übersichtlich gestaltet und an den meisten Tagen der Woche auch verhältnismäßig ruhig, was eine angenehme Atmosphäre erschafft. Umso mehr fiel mir auf, wenn der Freitag vor der Tür stand, weil sich dann abends die Stadt füllte und sehr auflebte. Besonders an Brünn ist zudem, dass es sich in einer hügeligen Gegend befindet, mit vielen schöne Parks und Aussichtspunkten. Mich beeindruckten sehr die Naturlandschaften, welche die Stadt umgeben und die ich bei Fahrradtouren erleben durfte. Mir entging auch nicht der clever durchdachte Nahverkehr. Obwohl Brünn keine S-Bahn und auch keine U-Bahn hat, gibt es sehr viele Tramlinien und Busse, die einem die Fortbewegung durch die Stadt einfach, schnell und vor allem unfassbar günstig anbieten. Beispielsweise zahlte ich für eine 15-minütige Fahrt knapp 80 Cent und eine 60-minütige Fahrt kostete mich ungefähr einen Euro. Allerdings musste ich auch einsehen, dass im Vergleich zu München für mich sehr vieles deutlich günstiger war, weil in Tschechien nicht mit Euro, sondern mit tschechischen Kronen gezahlt wird.

Ein Klassenzimmer der tschechischen Schule

Nicht nur die Stadt beeindruckte mich, sondern auch der Schulalltag an der tschechischen Schule, die ich besuchen durfte. Sie ist recht zentral gelegen und zudem auch noch sehr groß wenn man bedenkt, dass es separate Schulgebäude für die jüngeren Klassen und eines für die älteren Klassen gibt. Ich war überrascht, dass die Schülerinnen und Schüler zwischen jeder Unterrichtsstunde mindestens 10 Minuten Pause haben, und somit eine kürzere Mittagspause und einen längeren Schultag haben. Natürlich entging mir nicht, dass alle „Studenten“, wie sich tschechische Schüler bezeichnen, Hausschuhe tragen müssen. Interessant fand ich auch, dass an der Schule Doppelstunden recht neu und auch nicht häufig im Stundenplänen vertreten sind, sodass die Schüler oft mehrmals am Tag den Raum wechseln müssen. Äußerst überraschend war für mich die Ausstattung des Schulgebäudes: Anders als am HHG waren die Räume noch mit Kreidetafeln, anstelle von Dokumenten-Kameras und Apple-TV-Geräten ausgestattet.

Das wirkte sich aber keinesfalls auf den überaus sympathischen Eindruck aus, den ich sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern mitgenommen habe. Die Lehrer waren wirklich interessiert und freundlich, ließen mich am Unterricht teilhaben und manchmal diesen auch mitgestalten, was mir sehr gefiel, da ich so in den direkten Austausch mit den Schülern kam. Viele von ihnen fanden es spannend, mich kennenzulernen. Besonders positiv sind mir die Stunden mit meiner dortigen Betreuungslehrkraft, die Deutsch unterrichtet, in Erinnerung geblieben. Ich durfte bei ihr viel zum Deutschunterricht beitragen und unterstützte ihre Schüler bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb „Jugend debattiert“, der zu meiner Freude auch in Tschechien beliebt ist.

Insgesamt war es ein sehr lohnenswerter Auslandsaufenthalt, weil ich viele neue Eindrücke gewinnen und ein wenig in den Alltag tschechischer Schüler schnuppern konnte. Insbesondere der herzliche Empfang an der tschechischen Schule hat mir gezeigt, wie wertvoll solche bilateralen Begegnungen sind, die dabei helfen, Vorurteile abzubauen. Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass die Teilnahme an „Erasmus+“ mir ermöglicht hat, meine europäischen Nachbarn kennenzulernen und somit mehr über Tschechien und gleichzeitig über mich selbst zu erfahren.